Vor bestimmt 20 Jahren waren wir mal im Urlaub im ehemaligen Jugoslawien in einer Ferienwohnung. Unsere Vermieterin hatte für uns einen Estragonkuchenb gebacken, der uns extrem gut schmeckte. Dieses Jahr hatten wir viel Estragon im Garten und deshalb habe ich recherchiert, ob ich das Rezept vielleicht finden würde .... und ich denke, ich hab's gefunden

Hier ist das Rezept - ich hab ne 1,5 kg Kastenform von Teeträume benutzt:
Hefeteig:
• 500 g Weizenmehl Typ 500
• 20 g Hefe
• 1 Ei
• 1 Eigelb
• 80 g Zucker
• 80 g Schmalz oder Butter
• ca. 0,2 l Milch
• 10 g Salz
Füllung:
• 0,1 l Sauerrahm
• 80 g Butter
• 80 g Zucker
• 1 Ei
• 50 g Semmelbrösel
• 1-2 Bund frischen Estragon
Zubereitung:
Mehl in Schüssel geben und warmstellen. Hefe, zwei TL lauwarme Milch, 2 EL Mehl und 1 TL Zucker verrühren, im Warmen 20 Min. gehen lassen. Zerlassene Butter/Schmalz mit Ei, Eigelb und etwas Zucker schaumig schlagen. Milch erwärmen, etwas salzen, die geschlagene Buttermasse dazugeben. Aus dem Mehl, der aufgegangenen Hefe und der Milchmischung einen nicht zu festen Teig bereiten und kneten, bis er sich von der Schüssel löst. Zugedeckt mind. 30 Min. gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat.
Zwischenzeitig die Füllung vorbereiten: In der Butter Semmelbrösel rösten und abkühlen lassen. Aus Sauerrahm, Zucker, Eier und den Semmelbröseln die Füllung anrühren.
Estragon fein hacken. Backform buttern und mit Semmelbrösel ausstreuen.
Nach dem Gehen den Teig fingerdick ausrollen und mit der Füllung bestreichen, feingehackten Estragon darüber streuen, fest zusammenrollen und sofort in die vorbereitete Backform legen. Noch einmal zugedeckt ins Warme stellen, damit er noch ca. 30 Min. aufgehen kann.
Ofen auf 180° vorheizen.
Ca. 1 Stunde bei 150-180° (Ober-/Unterhitze) backen.
Behutsam auf ein Brett stürzen und nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestreuen.
Nach verschiedenen Rezepten zusammengestellt, z.B. beim Slowenische Tourismus-Informationsportal: http://www.slovenia.info/?recepti=8397&lng=3
Hintergrund-Infos dazu:
In jedem guten österreichischen Kochbuch steht ein Potitzen-Rezept. Meist eine Nusspotitze oder eine Mohnpotitze. Nusspotitze ist ein Synonym für Walnusspotitze, weil die Österreicher nur die Nüsse mit einem Spezial-Arten-Namen bezeichnen, die nicht Walnüsse sind. Nuss ist ein Synonym für Walnuss in Österreich. Nur Wenige wissen, dass das herrliche Rezept ursprünglich aus Slowenien kommt. Die Potitze ist ohne Zweifel die bekannteste unter den slowenischen Mehlspeisen. Man findet sie bei allen festlichen Anlässen. Mit allen erdenklichen Rohstoff-Kombinationen.
Egal, in welche Backform man die gerollte Potitze bringt, das Innenleben ist entscheidend. Ob grade oder in Ringform, ob in Rehrücken-, Kasten- oder Guglhupfform - was zählt ist die süße Spirale der Fülle, die sich offenbart, wenn man die gebackene Teigrolle anschneidet.
Angeblich ist die Guglhupfform, die heute wohl die gebräuchlichste ist, schon seit über 200 Jahren nachweislich im Einsatz. Davor wurde der „gefüllte Roll-Kuchen“ (er hieß „povitica", zu Deutsch „eingerollt“) direkt in den großen Steinofen geschoben, der damals noch neben jedem Bauernhof stand, und ohne Hülle gebacken. So wie die Brotlaibe.
Es ist mehr als wahrscheinlich, dass „Potica“ von „povitica“ kommt. Während heute die Walnussfüllung am verbreitetsten ist, waren es ursprünglich wohl eher Füllungen mit Honig, mit Estragon oder sogar mit Grieben (Grammeln, slowenisch ocvirkovka). Wenn Weizenmehl fehlte, nahm man Heidenmehl (Buchweizen, slowenisch ajda). Wenn man im Frühjahr zuwenig von den (am besten leicht) angefrorenen Walnüssen übrig hatte, buk man die Potitze mit Birnen. Wenn man keine Rosinen hatte, taten's auch kleingeschnittene Zwetschgen in der Füllung. Quelle: http://www.ajda.at/slowenien/potica.htm


