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Rheinischer Döppekooche

Hier gehört alles rein, was herzhaft gefüllt,
belegt und im Teig verarbeitet wird.
Pizza, Quiche usw.

Moderatoren: SteMa, hansigü, Lenta


Rheinischer Döppekooche

Beitragvon moni-ffm » Di 10. Mär 2015, 12:30

Beim Lesen des Deppekuchen-Rezeptes haben sich mir als Rheinländerin doch arg die Nackenhaare gesträubt... Der Deppekuchen nach diesem Rezept ist sicher lecker, er ist aber mit dem Rheinischen Döppekooche nur entfernt verwandt.

Deshalb hier die rheinische Version, wie sie auch noch im Bergischen Land zubereitet wird. Der Döppekooche ist ein Arme-Leute-Essen, welches früher hauptsächlich im Herbst und Winter vorwiegend auf dem Land zubereitet wurde (in der warmen Jahreszeit kaum zu verdauen, auch mit einem oder mehreren Körnchen nicht). Nämlich aus den Kartoffeln aus dem eigenen Garten. Es ist quasi ein Rievkooche = Reibekuchen in riesengroß und nicht in der Pfanne auf dem Herd, sondern im Ofen gebacken. Es gibt beim Namen auch noch die Version Dippekooche: ein Dippe ist ursprünglich ein Gefäß aus Keramik, Schüssel, Auflaufform, auch Milchkrug. Auch darin wurde der Dippekooche oder Döppekooche gebacken. Taucht sicher sofort die Frage auf: ein Arme-Leute-Essen und 75 Min oder noch länger backen? Das passt nicht zusammen! Doch es passt zusammen: früher stand in jeder Küche ein mit Holz befeuerter Herd, der die Küche heizte und gleichzeitig zum Kochen und Backen genutzt wurde. Die Backofentemperatur für den Döppekooche war in der Heizperiode also vorhanden, das ermöglichte die lange Backzeit für ein Alltagsgericht.

Das Rezept:

2 kg Kartoffeln
3 große Zwiebeln
3 - 4 Eier
Pfeffer, Salz
ca. 250 g durchwachsener geräucherter Speck (Bacon, Dörrfleisch oder ähnliches)
3 - 4 Mettwürste

Kartoffeln und Zwiebeln schälen und grob raffeln. Auf keinen Fall fein oder musig, die Struktur der Kartoffelraffel muss, wie beim Reibekuchen, erhalten bleiben. Eier verkleppern und unter den Kartoffelteig rühren, würzen.

Eine Auflaufform oder einen schweren Bräter mit Öl gut auspinseln, Boden und Rand mit den Speckstreifen belegen. Kartoffelteig zur Hälfte einfüllen und mit Mettwurstscheiben belegen. Den restlichen Kartoffelteig darauf geben und glatt streichen, mit den restlichen Speckstreifen belegen.

Bei ca. 225 Grad auf der untersten Schiene ca. 75 Minuten backen. Wenn die Teighöhe mehr als 5 - 6 cm beträgt, kann die Backdauer bis zu 90 Minuten oder länger betragen.

Mit Apfelmus oder -kompott servieren.

Das ist die Version bis ca. 20. eines Monats. Gegen Ende des Monats gab es den Döppekooche ohne Mettwurstscheiben in der Mitte...

In den rheinischen Döppekooche gehören weder Brötchen noch Toastbrot, das ist eine Todsünde.
Auch wenn es im Internet so beschrieben wird... Der rheinische Döppekooche ist ein ganz puristisches Gericht und spiegelt seine Herkunft wieder.

Guten Appetit!
Monika
Zuletzt geändert von _xmas am Di 10. Mär 2015, 12:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Eintrag in den Rezeptindex
Liebe Grüße aus dem Breisgau
Monika
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon _xmas » Di 10. Mär 2015, 13:03

Danke für das Rezept, Moni - ich werde es genau so ausprobieren :hu (aber erst nach dem 20.) ;)
Alle sagten: das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat´s einfach gemacht.
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon Brotstern » Di 10. Mär 2015, 13:04

Hallo Monika,

ich bin zwar keine Rheinländerin, habe aber vor ca. 7 Jahren von einer echten Rheinländerin auch ein Rezept für Döppekooche bekommen. Von den Zutaten fast identisch mit deinem Rezept, nur die Verarbeitungs-/Vorgehensweise etwas anders. In meinem Rezept werden Speck und Mettwürstchen klein geschnitten und mit den anderen Zutaten unter die Kartoffelmasse gemischt.
In den Döppe kommt etwas Öl und obendrauf auch etwas Öl.
Und ........da gehts um eine Menge von 5 kg Kartoffeln!!!

Ich habe mir das auf 2 Portionen reduziert und es hat suuuuuper geschmeckt!
Noch ist es ja nicht so richtig sommerlich, sodass ich das demnächst in deiner Version mal probieren werden. Das mit dem Weißbrot drin war mir auch nicht ganz geheuer... aber jede Region macht's halt anders, was ja nicht heißt, dass es nicht auch so schmeckt.

Danke für deine Rezept-Version!

Und, liebe Monika, wenn du den mal wieder machst, wär ein Foto toll, ich denke, das würde auf jeden Fall zum Nachmachen anregen! :cha
Grüße von mir! Bild
Linda
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon Little Muffin » Di 10. Mär 2015, 13:07

Yey! Hab ich auch schon lange nicht mehr gemacht. :katinka
Nur Verrückte hier...Komm Einhorn wir gehen!

Liebe Grüße, Daniela
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon Chorus » Di 10. Mär 2015, 13:48

Danke Moni,

grossartig. Ich hatte mal ein ganz ähnliches Rezept aus dem Kölner Raum. Da hat es aber glaube ich wieder einen anderen Namen.
Ob ich das mit unserer guten Braunschweiger Mettwurst probiere? Dann ist zumindest ein bissi Niedersachsen in den rheinländischen Kartoffeln. :st
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon pelzi » Di 10. Mär 2015, 14:05

Chorus hat geschrieben:Danke Moni,

grossartig. Ich hatte mal ein ganz ähnliches Rezept aus dem Kölner Raum. Da hat es aber glaube ich wieder einen anderen Namen.
Ob ich das mit unserer guten Braunschweiger Mettwurst probiere? Dann ist zumindest ein bissi Niedersachsen in den rheinländischen Kartoffeln. :st


Hihi, Chorus, das sind doch keine rheinländischen Kartoffeln. Du hast bestimmt Heidekartoffeln, die du zum rheinländischen Deppekuchen verwandelst. :XD :XD :XD :XD :XD :XD duck und weg bin ich.
LG von Steffi

Brot essen ist keine Kunst, aber Brot backen. (Deutsches Sprichwort)
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon Little Muffin » Di 10. Mär 2015, 14:10

Ich hatte mal ein ganz ähnliches Rezept aus dem Kölner Raum.


Kesselskuchen sagt man auch dazu. In der Eifel, glaub ich. Ich kenne ihn nur unter Döppekooche. :hu
Nur Verrückte hier...Komm Einhorn wir gehen!

Liebe Grüße, Daniela
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon Chorus » Di 10. Mär 2015, 15:45

pelzi hat geschrieben:
Chorus hat geschrieben:Danke Moni,

grossartig. Ich hatte mal ein ganz ähnliches Rezept aus dem Kölner Raum. Da hat es aber glaube ich wieder einen anderen Namen.
Ob ich das mit unserer guten Braunschweiger Mettwurst probiere? Dann ist zumindest ein bissi Niedersachsen in den rheinländischen Kartoffeln. :st


Hihi, Chorus, das sind doch keine rheinländischen Kartoffeln. Du hast bestimmt Heidekartoffeln, die du zum rheinländischen Deppekuchen verwandelst. :XD :XD :XD :XD :XD :XD duck und weg bin ich.

Haha, Chorus hat Verwandtschaft im Hunsrück, doch rheinische Tüffels... :hu
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Re: Rheinischer Döppekooche

Beitragvon christel2014 » Di 10. Mär 2015, 20:50

In Koblenz, liegt auch am Rhein, machen alle den Döppekooche mit Brötchen. Die Schreibweise ist nicht festgelegt. Ich weiß es sehr genau, weil ich Hunderte von Schülern nach ihren Familienrezepten gefragt habe. Das ist wie bei Frikadellen. Manche mögen auch Frikadellen ohne Brötchen, eher fester. Mit eingeweichtem Brötchen wird die Frikadelle und genau so der Kartoffelteig locker. So mögen es die Koblenzer, außen knusprig und ihnen locker weich. Das sie damit eine Todsünde begehen ist ihnen unbekannt. Sie mögen es so.
Hier wird auch lieber fein gerieben und die Zwiebel, damit sie durch das Reiben nicht bitter schmeckt, fein gewürfelt und angedünstet. Die Familien besitzen einen Gußtopf, in dem sonst nichts zubereitet wird. Der Deckel wird während des Garens nicht aufgelegt, wird aber zum Stürzen benutzt, damit niemand auf die Idee kommt im Topf herumzukratzen. Wenn man den Topf trocken erhitzt, bevor man das Öl und dann den Teig einfüllt, setzt aber auch nichts an.
Die Koblenzer essen Apfelmus dazu. Schon auf der anderen Seite im Westerwald essen sie Quark dazu. Da gibt es auch Gegenden, die Blut- oder Leberwurst in den Teig geben. Also jeder wie er es mag, da brauchen sich einem doch die Nackenhaare nicht zu sträuben, wenn andere es gerne anders mögen.
Christel2014
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