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Harzer Flottkuchen

Hier gehört alles rein, was herzhaft gefüllt,
belegt und im Teig verarbeitet wird.
Pizza, Quiche usw.

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Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Mo 30. Jun 2014, 10:00

Bild

http://mehlkaefer.blogspot.de/2014/06/h ... wurde.html

Je älter ich wurde umso intensiver wurde meine Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff.
Ein für meine Generation absolut tabuisiertes Verbundenheitsgefühl mit dem Ort an dem man aufgewachsen ist, wo man sozialisiert verwurzelt ist.
Bis die Kinder kamen war diese Wurzel eher eine die gerade mal so von Erde bedeckt war.
HEUTE reicht diese Wurzel bis ans Grundwasser....und nährt sich über die reiche Geschichte dieses Landstrich, wenn auch ohne Welfenstolz und ähnlich absurde Anwandlungen.
Das was hier angebaut wird...vom Getreide bis hin zur Zuckerrübe, nicht zu vergessen der Braunkohl, die Braunschweiger Mettwurst, Ballbäuschen und Zucker-und Flottkuchen, spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Die Schönheit der Landschaft spiegelt sich für den Niedersachsen nicht selten auf dem Teller wieder. :D

So auch ein Gericht, das sich trefflich dafür eignet bei einem Fussballspiel , vor laufendem Fernseher und hingebungsvollen Couchpotatoes vertilgt zu werden.

Dazu benötigen wir zunächst einmal:

500 gr. Weizenmehl Typ 550 oder 812
20 gr. Bio Frischhefe, zimmerwarm
20 gr. Backmalz
250 gr. Vollmilch
100 gr. Schmalz, weich ( ohne Grieben und so..)
1 Ei ( L)
150 durchwachsener Speck
2 Zwiebeln
12 Salz

Für obendrauf:

300 gr. Kassler- , Braten- , Kochschinken aufschnitt, feingewürfelt
300 gr. fetten Schmand (Flott)
1 Bund gehackte Petersilie
Salz und Pfeffer


Als allerallerallererstes..................befördern wir den feinwürflig geschnittenen und durchwachsenen Speck ( neudeutsch heisst das jetzt Bacon) in die heisse Pfanne, sobald sich das Fett davon macht, hüpfen die feinen, kleinen Zwiebelwürfelchen hinterher und lassen sich glasig machen.
Wenn das soweit ist, das die Zwiebel appetitlich duftig und hübsch glasig ist, stellen wir das Ganze zu Abkühlen auf die Seite.

In der zimmerwarmen Milch lösen wir nun die Hefe und das Backmalz und lassen das Gemisch wie üblich erstmal 10 Minuten anspringen.
Derweil sieben wir das Mehl in unsere Rührschüssel, und geben hernach das Milchhefebackmalzgemisch hin und lassen das Maschinchen für 5 Minuten auf Stufe 1 ankneten, danach folgt das Salz mit einem Satz in unser Teiglein...und kneten weitere 7 Minuten bis der Gluten ( das Klebereiweiss im Mehl) gut ausgeknetet ist und der Teig schon glatt und glänzend daherkommt. Nun ruht unser Teig ersteinmal für eine gute Stunde in der Schüssel, gut abgedeckt, damit er nicht wie eine alte Jungfer vertrocknet.
Wir sind nicht müßig, sondern hacken eifrig unser Schinken, Kassler, Bratenzeugs zu ansehnlichen Würfelchen und vermengen diese mit dem Schmand, Salz und Pfeffer.
Nicht vergessen den Ofen auf 200 Grad vorzuheizen.
Ist das Stündchen um, werfen wir Zwiebelchen und Speck in den Teig und verkneten nochmals für zwei bis drei Minuten.
Diesen duftenden Teigballen geben wir nun auf ein Backblech, verteilen es erst einmal mit den Händen und rollen in die Ecken aus. Der Teig sollte überall einen kleinen Rand bilden, damit der Belag keine Chance bekommt sich davon zu machen.
Wir lassen dem Teig , abgedeckt wieder 10 Minuten um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.
Nun ist die Zeit gekommen, den Belag auf den Teig zu plumsen...und mit einer Palette so zu verstreichen das überall etwas von dem fetten Zeug zu liegen kommt. Der Arzt eueres Vertrauens wird es euch danken.
Hinein damit in den Ofen....für gut 30 Minütchen bei 200 Grad. Nach gut 15 bis 20 Minuten solltet ihr den Belag mit Raumfahrttechnik ( Alufolie) abdecken.

Das schreit nach einem richtigen Bier. Ja kein Herrenhäuser....hier weiss jeder das die Hannoverschen Gäule Mumme saufen und Herrenhäuser pieseln......ja , die Zahl zwischen 95 und 97 wird hier auch nicht ausgesprochen.....da heisst es dann an unseren Schulen 95 + 1. :D

Wir haben also unser Bier und der Flottkuchen schreit....."Hol mich raus" ......und schmeiss die gehackte Silie über den fertigen Flottkuchen.
Einfach nur lecker.

( Aber ein Kurzer zu Verdauung, das muss.....)
Zuletzt geändert von Chorus am Mo 30. Jun 2014, 14:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Amore » Mo 30. Jun 2014, 10:35

Boah, was für ein Bild!

Also, daß kommt auf die "Nachbackliste". Sieht toll aus - und liest sich wie immer super!

Hast Du mal daran gedacht ein Kochbuch zu schreiben :top

Gruß
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Mo 30. Jun 2014, 10:42

Amore hat geschrieben:Boah, was für ein Bild!

Also, daß kommt auf die "Nachbackliste". Sieht toll aus - und liest sich wie immer super!

Hast Du mal daran gedacht ein Kochbuch zu schreiben :top

Gruß
Amore



Nicht direkt, ich arbeite an einem Buch das sich mit der Geschichte der kleinen Handwerksbetriebe hier in meiner Region ( Braunschweiger Land) befasst.....nicht ganz einfach....und ich hoffe das dabei dann noch das eine oder andere traditionelle Backrezept rüberkommt. Leider sind ja viele der kleinen Betriebe auf Grund des Konkurrenzdruckes der Ketten kaputtgegangen und damit auch viele Rezepte verloren gegangen....und da will ich eingreifen...
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon babsie » Mo 30. Jun 2014, 11:40

ohne Lehrmeisterin oder Lehrerin zu sein ...

das Rezept wäre noch schöner wenn der Begriff "schmeißen" aus dem Vokabular verbannt würde, hat für mich immer einen lieblosen bis sehr negativen Klang bis zum wegschmeißen
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Mo 30. Jun 2014, 12:01

babsie hat geschrieben:ohne Lehrmeisterin oder Lehrerin zu sein ...

das Rezept wäre noch schöner wenn der Begriff "schmeißen" aus dem Vokabular verbannt würde, hat für mich immer einen lieblosen bis sehr negativen Klang bis zum wegschmeißen


Etwas zu derbe? Das tut mir leid. Hierzulande ist der Sprachgebrauch, zumal im Platt deftig....da vergisst man das es andernorts sanftere Gemüter gibt , als man selbst .... :so brauch ich Gewalt
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Mo 30. Jun 2014, 14:12

@ babsie

ich habs dann mal etwas entschärft..... ;)
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Brotstern » Mo 30. Jun 2014, 15:04

babsie hat geschrieben:das Rezept wäre noch schöner wenn der Begriff "schmeißen" aus dem Vokabular verbannt würde, hat für mich immer einen lieblosen bis sehr negativen Klang bis zum wegschmeißen


Oh, Babsie, und ich dachte schon, dass ich mit meinen Empfindungen allein auf weiter Flur stehe!

Ja, Chorus, einmal "schmeißen" hast du ja schon entfernt, aber ich muss sagen: Ich finde auch manche Vokabeln und Formulierungen für ein Back-/Kochrezept zu salopp und flapsig, ein solches Kochbuch würde ich schnell wieder ins Regal stellen!

Wir Älteren sollten unsere Nachkommen die Achtung und den Respekt vor Lebensmitteln (wieder!) lehren, wenn aber Kinder bzw. Heranwachsende diese locker-flockigen Formulierungen lesen, dann dürfte ihnen womöglich der Respekt vor unserem "täglich' Brot" bzw. der angemessene Umgang mit Nahrungsmitteln gänzlich abhanden kommen, das ist - denke ich - aber sicher nicht von dir gewollt, wenn ich deine ergänzenden Erklärungen zu den Rezepten richtig deute!

Ich hoffe, du nimmst mir meine lieb gemeinten Anmerkungen nicht übel!
Lieben Gruß
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Linda
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon pelzi » Mo 30. Jun 2014, 15:06

So ein auf lustige Art geschriebenes Kochbuch wäre mal was. Ich muss immer schmunzeln, manchmal sogar lachen bei deinen Rezepten. :top Ich finde es gut. Vielleicht braucht gerade die Jugend solche Anweisungen. Ich muss mal deinen Text meiner Schwiegertochter zeigen und sie danach fragen, wie sie das findet.
Auf jeden Fall ist dein Rezept nachbackenswert.
LG von Steffi

Brot essen ist keine Kunst, aber Brot backen. (Deutsches Sprichwort)
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon babsie » Mo 30. Jun 2014, 15:10

naja, ein Rezept alleine liest sich manchmal schon recht trocken, da darf es auch nach meinem Geschmack mal was erfrischend neues sein, das gefällt mir gut. Die Umgangssprache darf ruhig auch in so traditionellen Formen wie Rezepten auftauchen, und lockert auf. Mir ging es nur um diese eine Formulierung, und wenn wir da einer Meinung sein könnten, dann darf es ruhig so weitergehen, liebe Chorus.
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon _xmas » Mo 30. Jun 2014, 15:31

So ein auf lustige Art geschriebenes Kochbuch wäre mal was. Ich muss immer schmunzeln, manchmal sogar lachen bei deinen Rezepten.

Mir geht es auch so, warum soll man sich immer anpassen? Dabei wird man sich selbst untreu.

Also Chorus, ich mag die erfrischende "Lektüre", in die hinein Du solch köstliche Rezepte packst.
Und soweit ich es den Beiträgen entnehmen kann, sind auch andere User dieser Meinung.

Da gäbe es dann noch folgende Option: Wer es nicht mag, lässt das Lesen... :lol: und Dir die Freiheit so zu schreiben, wie Du es magst.
Alle sagten: das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat´s einfach gemacht.
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Mo 30. Jun 2014, 16:59

Brotstern hat geschrieben:
babsie hat geschrieben:das Rezept wäre noch schöner wenn der Begriff "schmeißen" aus dem Vokabular verbannt würde, hat für mich immer einen lieblosen bis sehr negativen Klang bis zum wegschmeißen


Oh, Babsie, und ich dachte schon, dass ich mit meinen Empfindungen allein auf weiter Flur stehe!

Ja, Chorus, einmal "schmeißen" hast du ja schon entfernt, aber ich muss sagen: Ich finde auch manche Vokabeln und Formulierungen für ein Back-/Kochrezept zu salopp und flapsig, ein solches Kochbuch würde ich schnell wieder ins Regal stellen!

Wir Älteren sollten unsere Nachkommen die Achtung und den Respekt vor Lebensmitteln (wieder!) lehren, wenn aber Kinder bzw. Heranwachsende diese locker-flockigen Formulierungen lesen, dann dürfte ihnen womöglich der Respekt vor unserem "täglich' Brot" bzw. der angemessene Umgang mit Nahrungsmitteln gänzlich abhanden kommen, das ist - denke ich - aber sicher nicht von dir gewollt, wenn ich deine ergänzenden Erklärungen zu den Rezepten richtig deute!

Ich hoffe, du nimmst mir meine lieb gemeinten Anmerkungen nicht übel!
Lieben Gruß
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Ach wo, zunächst einmal danke ich euch allen für eure sachliche Kritik.
Auch ich bin schon ein älteres Semester. Hier in der Region, insbesondere den ländlichen Gebieten, spricht man eine alte Mundart, bedauerlicherweise gibt es nur noch wenige "Klinterklater" , die es beherrschen und pflegen. Mit dieser Mundart verbunden, sind viele alte traditionelle Rezepte dieser bäuerlich geprägten Region, viele davon einfallsreich und spannend. Um einige ranken sich gar Geschichten und Legenden....wie eben die der Eulen und Meerkatzen....
Ich kenne das Fleisch auf meinem Teller meist noch persönlich ( und ja ich esse es in allem geboten Respekt), weiss von welchem Landwirt Milch und Eier kommen. Kaufe meine Forellen im Harz, frisch und auch geräuchert. In einem Dorf grossgeworden schätze und bewundere ich das klassische alte Handwerk. Ob es nun der Bäcker, der Stellmacher, der Landwirt oder der Müller ist. Jeder Berufszweig bringt Wissen und Erfahrungen von Generationen mit.
Wie könnte ich da etwas anderes Empfinden, als Dankbarkeit und Zuneigung. Schade, das es mir nicht gelungen ist dies zu vermitteln, da werde ich wohl noch an mir arbeiten müssen. :(
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon babsie » Di 1. Jul 2014, 09:37

Kritik ist das falsche Wort, Anregungen wären besser :top

und die gebildeten Leute von heute, die sich Magister nennen (dürfen?), würden sagen, ein klein wenig Verbesserungspotential
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon Chorus » Di 1. Jul 2014, 10:06

babsie hat geschrieben:Kritik ist das falsche Wort, Anregungen wären besser :top

und die gebildeten Leute von heute, die sich Magister nennen (dürfen?), würden sagen, ein klein wenig Verbesserungspotential


Kritik ist nichts Verwerfliches, entscheidend immer der Tenor, in dem diese Kritik erfolgt. In dieser Form war sie , so denke ich, erhellend und inspiriernd. Auch wenn ich der Meinung bin, das man sich dem Diktat des akademischen Kanon und deren heideggerisch-adornisch-foucaultschen Pidginsprache weder beugen muss oder gar sollte. Always by myself. :st
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Re: Harzer Flottkuchen

Beitragvon lisa und finja » Mi 2. Jul 2014, 18:01

_xmas hat geschrieben:
So ein auf lustige Art geschriebenes Kochbuch wäre mal was. Ich muss immer schmunzeln, manchmal sogar lachen bei deinen Rezepten.

Mir geht es auch so, warum soll man sich immer anpassen? Dabei wird man sich selbst untreu.

Also Chorus, ich mag die erfrischende "Lektüre", in die hinein Du solch köstliche Rezepte packst.
Und soweit ich es den Beiträgen entnehmen kann, sind auch andere User dieser Meinung.

Da gäbe es dann noch folgende Option: Wer es nicht mag, lässt das Lesen... :lol: und Dir die Freiheit so zu schreiben, wie Du es magst.

ja, das meine ich auch, zumal es ja nicht so ist, als ob du gar nicht weißt, daß man auch anders schreiben kann, ich denke, du machst das bewusst so und das ist gerade das Schöne an der Sache. Mir gefällt es auch sehr gut, es ist doch so lustig, ich stelle mir immer einen Film vor, wenn die Zutaten laufen lernen...... :XD
Herzliche Grüße

Lisa

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