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Hefe im Sauerteigbrot?

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Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Collada » Di 28. Jul 2015, 06:47

Hallo liebe Hobbybäcker!

Entschuldigt bitte gleich, falls die Frage hier schon hundert mal gestellt worden ist, aber ich fand irgendwie keine richtige Antwort darauf.

Ich backe mit selbstgezogenem Sauerteig, so wie ich es aus einem Buch habe mit dem ich anfing, Brot zu backen. Habs also so gelernt.
Nun habe ich mir aber noch ein paar gute Brotbackbücher als weiterführende Literatur :xm gekauft. Dort wird aber in fast jedem Rezept neben dem Sauerteig zusätzlich noch ein Vorteig mit Hefe angestellt.
Was ich mich nun frage, WOZU? Hat das irgend einen Grund? Wird das Brot dadurch besser? Der Autor schreibt irgendwie, dass der Vorteig zur Verbesserung von Kruste und Krumme dient.

Ich bin jetzt niemand, der Hefe total ablehnt, aber ich muss zugeben, dass ich es lieber habe, nur mit purem Sauerteig zu backen. Die etwas längeren Gehzeiten sind mir dabei egal. Außerdem nervt das dauernde Hefe einkaufen :lala . Ich habs lieber gerne puristisch.
Kann ich diese Rezepte auch ohne Hefe backen und was muss ich dann ändern? Den Vorteig einfach ohne Hefe als Nullteig oder Autolyse ansetzen oder die Zutaten einfach zum Hauptteig rechnen?

lg und Danke für Eure Hilfe!

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Eigebroetli » Di 28. Jul 2015, 09:54

Hallo Collada!
Mir ging es zu Beginn ähnlich, wie dir. Mein neuer Sauerteig war endlich triebstark, das Brot schmeckt so neu und anders und besser, dass man den Sinn der Zuchthefe nicht mehr wirklich sieht. :ich weiß nichts
Unterdessen backe ich wiederum nur selten reine Sauerteigbrote.

Der Sauerteig ist ja ein Komplex aus verschiedenen Mikororganismen. Da sollten zweierlei Sorten von Milchsäurebakterien drin sein, wobei jene, die Milchsäure produzieren in der Überzahl und die, die Essigsäure produzieren in der Unterzahl sein sollten. Dieses Verhältnis von Essig- zu Milchsäurebakterien ist das optimale Millieu für wilde Sauerteighefen. Die Säure hemmt die Bildung von unerwünschten Mikroorganismen und schützt dadurch die Hefen. Die Sauerteighefen sind also relativ anspruchsvoll. Sie wollen opimale Vermehrungstemperaturen von 25-28°C, wohingegen die Milchsäure produzierenden Bakterien lieber Temperaturen um die 28-35°C haben. Darunter, fühlen sich die (weniger erwünschten) Essigsäure produzierenden Bakterien wohler. Kurz: Es ist aufwändig und schwierig, dieses komplexe System, für gleichbleibende Backergebnisse im Optimum zu halten. Jeder kennt den eigenen Sauerteig am besten, weiss, wann etwas nicht stimmt, muss improvisieren können, um bei kleinen Veränderungen im Millieu dennoch ein akzeptables Brot aus dem Ofen zu ziehen. Mit anderen Worten: Da helfen nur eigene Fehltritte und Erfahrung. Darauf kann wohl kaum ein Rezeptbuch basieren. Denn diese sollten ja genau bei geänderten Verhältnissen, beispielsweise mit einem etwas triebschwächeren Sauerteig auch noch zuverlässig sein. Hier also der erste Grund, um noch zusätzlich Hefe zu verwenden: Zuchthefe stabilisiert die Mikroorganismen in deinem Teig.

Nun die weiteren Gründe für Vorteige:
- durch Vorteige erreichst Du vorallem mehr Geschmack und dies vielschichtiger als mit reinem Sauerteig. Ein Nullteig ersetzt dir das nicht, denn da hast du höchstens unerwünschte Fremdgärung drin. Um dies zu vermeiden, wird den Nullteigen gerne Salz zugegeben.
- einen zusätzlichen Vorteig bedeutet in der Regel, dass mehr Mehl vorweg verquollen wird. Das führt wiederum zu einer besseren Einbindung des Wassers. Dadurch kann die Teigausbeute erhöht werden und auch sonst ist damit eine bessere Frischhaltung gewährleistet. So viel mehr Sauerteig möchtest du vielleicht nicht verwenden, da dies dann zu saurem Brot führen könnte.
- Bei der Zugabe von pâte fermentée steht mehr der Geschmack im Vordergrund. Bei Poolish hingegen eher die Frischhaltung, Teigstruktur und die Krustenbildung.
- Beim Poolish wird Mehl mit gleich viel Wasser verquollen. Dies erlaubt die "Freilegung" von Gluten bildenden Proteinen und stabilisiert dadurch wiederum den Teig. Es sei denn, man lässt ihn überreifen, dann ist er einfach nur noch Geschmacksträger.
- Salzhaltige Vorteige hingegen, dienen der Regulierung der Hefe, hemmen ihre Aktivität und ihre Vermehrung.

Wie immer, lasse ich meine Ausführungen gerne ergänzen. Neben den tollen beiden Brotbackbüchern, Stefanie Herberths Hefe und Mehr, dem Grundlagenteil des Bourke Street Bakery Books, ist das Grundlagenbuch der Richemont Fachschule sehr informativ, wenn auch nicht für Hobbybäcker ausgelegt.
Liebe Grüsse Alice

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon babsie » Di 28. Jul 2015, 11:29

:kl

mehr oder besseres gibt es dazu nicht zu sagen
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon jerdona » Di 28. Jul 2015, 11:32

Hallo Collada!

Die Vorteile und Funktionen der Vorteige hat Dir ja Alice bereits sehr ausführlich erklärt.
Aber natürlich kann man auch gutes Brot nur mit Sauerteig backen. Es erhöhen sich dann halt aber auch die Unwägbarkeiten. Die Autoren von Backbückern möchten aber gelingsichere Rezepte für alle Leser präsentieren, unabhängig davon, wie jung, aktiv oder gepflegt deren Sauerteige sind.

Außerdem kommt es auch darauf an, nach welcher Methode der Sauerteig geführt wird. Einen super Überblick über dieses Thema findest Du hier. Leider fehlt in dieser Übersicht die Detmolder Zweistufenführung, die m.E. für den Hausgebrauch ein sehr guter Kompromiss von Aufwand und Ergebnis ist. Dietmar Kappl hat sie aber sehr ausführlich beim Rezept für den Schrotling erklärt.
Bei der Beschreibung der einzelnen Methoden steht auch dabei, ob die Zugabe von Hefe (meist 1-1,5 % der Mehlmenge) empfohlen wird. Dies ist eigentlich bei allen einstufigen Führungen der Fall. Es sei denn mach macht es wie Lutz Geißler (Brotbackbuch Nr. 1+2, Plötzblog) und zieht sich durch mehrmalige Auffrischungen hintereinander ein sehr "virulentes" Anstellgut (was m.E. aber den Vorteil der einfachen Einstufenführung zunichte macht, ganz abgesehen von dem übrig bleibenden Anstellgut, das "verworfen", sprich weggeworfen werden muss). :tip

Das mit den Rezepten abändern ist so eine Sache, denn wenn es ein gutes Backbuch ist, hat sich der Autor bei der Erstellung des Rezepts schon was dabei gedacht, wenn er einen Vorteig mit Hefe vorsieht. Und wenn es ein gutes Backbuch ist, sind die Hefemengen für den Vorteig auch sehr gering, beim Poolish z.B. 0,1 % der Mehlmenge, das sind gerade mal 0,5 g Hefe auf 100 g Mehl. Da langt ein Würfel Hefe schon recht lange. :ich weiß nichts

Du kannst es mit einer Autolyse statt dem Vorteig versuchen, musst aber dann mit dem restliche Schüttwasser aufpassen, da die Autolyse eventuell nicht soviel Wasser bindet wie ein lange gequollener Vorteig.
Ansonsten gibt es auch hier im Forum und auf den erwähnten Blogs auch viele Rezepte nur mit Sauerteig und ohne zusätzliche Hefezugabe, vielleicht wirst Du ja da fündig. :tc
Liebe Grüße
Antje

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Eigebroetli » Di 28. Jul 2015, 11:48

Danke für die Ergänzungen, Antje. Bei der mehrstufigen Auffrischung muss man nicht wirklich etwas wegwerfen. Entweder man macht es wie bei der Detmolder Zweistufenführung nur dass man halt mehr Stufen einbaut. Dabei beginnt man mit kleinen Mengen, sodass am Ende die gewünschte Menge Sauerteig da ist (Vorsicht vor dem Temperaturverlust bei kleinen Mengen). Andererseits kann man das übrig gebliebene ASG in einer separaten Dose aufbewahren und es als Aromaträger löffelweise zu einem Brotteig dazugeben.

Collada, was ich dir noch sagen wollte: Am besten probierst Du mal ein Rezept mit (wenig!) Hefe aus und schaust, ob du doch noch auf den Genuss kommst. Ansonsten bleibst Du bei reinem Sauerteig. Dann würde ich mich aber nicht zu sehr an den Heferezepten orientieren. Die sind dann nicht mehr wirklich ideal - abgesehen von der Zugabe von Nullteigen (wie beispielsweise die Menge des Brühstücks bei Dinkelteigen usw.). Für die eigenen Rezepte sind vorallem die Teigausbeute, die zugegebene Menge Sauerteig und die Salzmengen wichtig. Wenn Du diese Faktoren beachtest, kannst du problemlos selbst reine Sauerteigrezepte austüfteln.
Liebe Grüsse Alice

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon jerdona » Di 28. Jul 2015, 12:30

Hallo Alice!

das mit dem Wegwerfen meinte ich nicht bei der mehrstufigen Sauerteigführung, da wird ja immer die Vorstufe vollständig in der nächsten weiterverwendet, sondern so wie Lutz das macht:
Zitat Plötzblog:
"Der Zyklus ist also Folgender:
A. Sauerteig im Kühlschrank
B. 10 g Sauerteig mit 40 g Mehl und 40 g Wasser mischen und reifen lassen
C. Von B. Anstellgut für den Hauptsauerteig abnehmen
D. Rest von B. (also C.) im Kühlschrank lagern bis zum nächsten Backen, wo es wieder mit A. losgeht."

"...Meine Frage geht um den Zyklus, den du oben fuer Vanessa erklaert hast. Gibt man den Rest des Anstellguts zu dem ersten Sauerteig dazu? Also D. zurueck zu A.? Was wuerde man sonst mit dem restlichen A machen?"

"Hallo Sophia,
nein, es bleibt immer ein Glas/eine Schüssel mit dem alten Anstellgut übrig. Es gibt mehrere Verwendungsmöglichkeiten dafür:
– Trocknen (für den Fall der Fälle…)
– in Eierkuchen oder andere Teige einrühren (als Geschmacksgeber, nicht für den Trieb)
– Kompostieren
– Hausmüll"

Die Trockensicherung macht man vll. ein mal im halben Jahr und man macht auch nicht jeden Tag Teige in denen man ASG unerrühren kann oder mag, bleibt halt dann Möglichkeit 2+3 = wegwerfen. :ich weiß nichts
Und irgendwo hat der glaub ich auch erwähnt, dass er für einen besonders triebstarken Sauerteig die Auffrischung mehrfach macht, bevor er überhaupt den Sauerteig ansetzt.

Ich hab mich halt immer gewundert wieso er bei reinen Sauerteigrezepten auch nur die Einstufenfühung macht und damit doch zu sehr guten Ergebnissen kommt. :ich weiß nichts
Liebe Grüße
Antje

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Eigebroetli » Di 28. Jul 2015, 12:51

Ja gut, das wäre jetzt auch nicht meine erste Wahl. Eine dreistufige Führung ist da wesentlich praktischer. Aber auch beim zitierten Zyklus lassen sich die Mengen problemlos halbieren, wenn man denn die Austrocknungs- und Abkühlungsgefahr im Auge behält. Dann bleiben vielleicht noch 20g (sprich ein Teelöffel) pro Mal übrig. Und das Zeug hält sich gut verschlossen ja auch gute 6 Wochen, im Gefrierfach ca. 3 Monate. Macht man eine Trockensicherung daraus, sogar ein Jahr. Auch die Trockensicherung kann problemlos als Geschmacksträger den Teigen zugegeben werden.
Aber Du schreibst schon richtig, dass dies nicht gerade die effizienteste Methode ist.
Liebe Grüsse Alice

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Collada » Di 28. Jul 2015, 13:38

Wow! :kl
Danke für die großartigen und ausführlichen Antworten! Ich musste es zweimal lesen, damit ich es einigermaßen verstanden habe - da wird mir wieder bewusst, wie sehr ich noch am Anfang stehe.

Bisher habe ich die Brote nur mit Sauerteig gebacken und habe mich immer gewundert, warum da noch Hefe dazu gegeben wird. Unbewusst habe ich dabei aber scheinbar die Plötz-Methode angewendet.
Da ich mehr ASG habe, als ich für den Vorteig brauche, habe ich immer nur das Bisschen vom ASG was abgenommen und in den Vorteig getan, das restliche ASG wieder aufgefrischt und in den Kühlschrank gestellt.
Wenn ich dann wieder neues Brot backe, kommt das ASG aus dem Kühlschrank, wird aufgefrischt mit nem gehäuften Löffel Mehl und Wasser, 3-6 Stunden stehen gelassen und dann was für den Sauerteig abgenommen... usw.
Ehrlich gesagt habe ich mir dabei noch nie was gedacht. Wenn ich die Sauerteigbrote zur Stückgare stelle sind sie meist nach 2-3 Stunden gewaltig aufgegangen.

Das ASG wird dabei natürlich langsam immer mehr. Wenn es zuviel wird und nicht mehr ins Schraubglas passt, dann nehme ich es nach dem Auffrischen wie wenn es normaler Sauerteig wäre. :lala Habe ich schon zweimal gemacht, das Brot hatte einen genialen Geschmack.

Mache ich damit irgendwas grundlegen falsch was ich in meiner Naivität nicht bedacht habe?

Vielleicht sollte ich mir echt darüber mal mehr Gedanken machen. Und noch weitere Literatur anschaffen...

Auf jeden Fall habt ihr mir jetzt richtig Lust gemacht, ein Brot mit Hefevorteig und Sauerteig zu probieren! Vielen lieben Dank!
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Eigebroetli » Di 28. Jul 2015, 14:40

Perfekt! Wenn wir dich zu weiterem Ausprobieren anstacheln konnten, haben wir das Ziel ja erreicht :top

Auf mich wirkt da nichts grundlegend falsch. Man muss sich halt einfach bewusst sein, dass durch die Zugabe von Sauerteiganstellgut zum Teig relativ viel Säure in den Teig gelangen kann. Muss aber nicht, denn das hängt von der Säure deines ASG ab. Zu viel Säure hindert das Klebergerüst, führt also zu kleinerem Volumen.

Du wiegst also die Sauerteigzutaten nicht ab? Das kannst Du schon so machen, aber wenn Du einzelne Faktoren wie Krusteneigenschaft, Säureentwicklung und Krumeneigenschaften beeinflussen möchtest, musst Du die TA (Teigausbeute) des Sauerteiges kennen. Und das geht nur mit Abwägen. Aber Hauptsache Dir schmeckt Dein Brot. Man muss keine Wissenschaft draus machen, wenn man nicht will. Aber man kann natürlich :cha
Liebe Grüsse Alice

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Collada » Di 28. Jul 2015, 16:31

Hm, vielleicht sollte ich doch etwas achtsamer damit sein, ASG als Sauerteig zu verwenden. Die letzten beiden Brode waren jedenfalls geschmacklich nicht zu sauer, vom Teig her aber jetzt wo du es sagst doch etwas fester.

Wie meinst Du, Sauerteigzutaten abwiegen? Wenn ich zb. 200 g Sauerteig lt. Rezept brauche, dann nehme ich 20 g ASG, 90 g Mehl und 90 g Wasser. Zumindest hab ich es mal wo so gelesen? Ist das nicht in Ordnung? Ich weiß schon, dass Biga und Poolish andere Mischverhältnisse haben, aber wenn im Rezept nur steht "200 g Sauerteig" dann mische ich doch 1:1 + 10-20 % ASG, oder? *verwirrt bin*.
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon hansigü » Di 28. Jul 2015, 17:54

Hallo Collada,
ich habe mit Erfolg Vorteige, die mit Hefe angesetzt werden im Rezept, mit LM bzw. süßen Starter angesetzt. Die Brote sind einwandfrei geworden, z.B. dasBauernbrot von Ketex. Da habe ich einfach statt Hefe ein bis zwei TL LM bzw. süßen Starter genommen. Der VT ist prima geworden.
Ich bin eigentlich erst durch die Brote und die Sauerteigführungen von Schelli darauf gekommen, immer mehr auf Hefe zu verzichten, im Moment backe ich meine Brote ohne Hefe und sie brauchen auch nicht viel länger bei der Gare.
Nur für Brötchen nehme ich lieber ein paar Gramm Hefe, weil es mir einfach besser schmeckt.
Wenn Du es puristisch magst, dann beschäftige dich einfach mit der Herstellung von Wildhefe, die habe ich auch längere Zeit erfolgreich benutzt. (Muss ich einfach auch mal wieder ansetzen.)
Hier findest Du ne Anleitung!
Da die Herstellung von Hefe auch sehr umweltbelastend ist, ist es sicherlich nicht ganz verkehrt, konventionelle Hefe reduziert einzusetzen!
Gruß Hansi


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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon sun42 » Di 28. Jul 2015, 18:10

Die Frage nach zusätzlicher Hefe im Sauerteigbrot ist eigentlich recht einfach zu beantworten:

Wenn der Sauerteiganteil im Brot z.B. 40% beträgt, reicht die Hefemenge des Sauerteiges alleine aus, um das Brot ausreichend zu lockern. Dies ist üblicherweise bei Roggen- und Roggenmischbroten der Fall.

Ist der Sauerteiganteil im Brot geringer, z.B. 20% beim Weizenmischbrot, reicht die Hefemenge des Sauerteiges nicht mehr aus, um den Teig ausreichend zu lockern. Man gibt dem Teig idR 1% Bäckerhefe hinzu.
grüsse michael
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon _xmas » Di 28. Jul 2015, 18:15

Da die Herstellung von Hefe auch sehr umweltbelastend ist

Sicher, alles zählt unterm Strich - aber die Hefeherstellung ist doch ein Pups in der Landschaft gegen alle anderen Umweltlaster. Mensch, bleiben wir auf dem Teppich und lassen das Auto mal stehen (es gibt genügend andere Möglichkeiten, die aufzuzählen wären). Die Hefe macht die Welt nicht so kaputt wie viele andere Dinge, die ich jetzt nicht aufzählen mag.
Und ich oute mich - trotz ca. 10-12 Broten in der Woche brauche ich max. 3-5 Hefewürfel im Monat.
Zum Einkaufen (privat) gehe ich gerne zu Fuß...Scharfe Reinigungsmittel versuche ich, wo es geht, zu vermeiden... Fett gehört nicht in den Abfluss... Plastiktüten, chemische Unkrautvertilger und viele Dinge mehr erscheinen mir viel belastender als Hefe :ich weiß nichts
Überprüft doch nur mal einen Tag lang, womit ihr die Umwelt belastet - sicher nicht mit Hefe.
Ich finde es erschreckend, was man der Natur so antut :xm da bin ich keine Ausnahme :lala
und dann startet am Tag noch das eine oder andere Flugzeug...
Alle sagten: das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat´s einfach gemacht.
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon jerdona » Di 28. Jul 2015, 18:36

Collada hat geschrieben: wenn im Rezept nur steht "200 g Sauerteig" dann mische ich doch 1:1 + 10-20 % ASG, oder? *verwirrt bin*.


Laß dich nicht verwirren Collada, das stimmt schon so. :top

Und solange Du mit deinem Brot zufrieden bist, besteht auch kein Grund etwas zu ändern. Wenn Du mit deiner bisherigen Methode sicher geworden bist, kommt früh genug der Zeitpunkt, an dem man sich sagt: nicht schlecht, aber vielleicht könnte dies und das noch besser sein.
Dann kannst Du immer noch was anderes auszuprobieren, z.B. eine andere Sauerteigführung ect.
Liebe Grüße
Antje

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon hansigü » Di 28. Jul 2015, 18:46

Ja, Ulla, sicherlich ist die Hefe nur ein Pups, aber viele Pupse machen auch ne mächtige Wolke :lol:

Das ist aber wirklich wenig Hefe, die Du verwendest :top
Wer weiß wieviel da die Gesamtheit der Bäckereien und Industriebäcker so Tag für Tag verwenden! 110000 t/pro Jahr habe ich jetzt gelesen.
Totzdem finde ich es für mich schöner, wenns ohne Hefe geht :xm
Puristischer halt!
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon sun42 » Di 28. Jul 2015, 18:52

@Hansi ... wie wäre es mit Bio Hefe ?
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon hansigü » Di 28. Jul 2015, 18:57

@ Michael, Geht doch ohne Hefe, auch Bio :del
Gruß Hansi


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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon sun42 » Di 28. Jul 2015, 19:33

@Hansi … auf Backhefe kann man verzichten, ohne Hefen geht es wohl nicht: Sauerteig (SFS) enthält den Hefestamm „Candida humilis“, Lievito Madre Nektarhefen z.B. „Candida reukaufii“ und Bäckerhefe „Saccharomyces cerevisiae“

Siehe auch foodpaper-Artikel zum Thema: "Haben Sie hefreies Brot?"
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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon Eigebroetli » Di 28. Jul 2015, 23:53

Collada hat geschrieben:Wenn ich dann wieder neues Brot backe, kommt das ASG aus dem Kühlschrank, wird aufgefrischt mit nem gehäuften Löffel Mehl und Wasser, 3-6 Stunden stehen gelassen und dann was für den Sauerteig abgenommen... usw.
Ehrlich gesagt habe ich mir dabei noch nie was gedacht.


Sorry Collada ich wollte dich wirklich nicht verwirren. Der Sauerteig wird ja mit der Mischung des ASG geimpft, die Du wie oben beschrieben anrührst. Da Dinge wie die Teigausbeute etc. einen Einfluss auf die Vermehrung der Mikroorganismen haben, lohnt es sich m.E., das ASG auch abgewogen zu füttern, wenn man denn etwas steuern will. Einige (oder Hansi? :D) mögen mir hier widersprechen, die machen das genauso wie Du. Ich glaube das ist mehr eine Frage der Glaubensrichtung und nunja, ich bin manchmal etwas perfektionistisch. Nun aber, was ich an der Abwiegemethode als vorteilhaft erachte:
Man hat eine bessere Ahnung davon, was im ASG in puncto Mikroorganismen gerade abgeht. Dies wird besonders dann interessant, wenn süsse Gebäcke, wie bspw. Dampfnudeln oder Panettone mit Sauerteig gebacken werden sollen. Dort will man ja dann wirklich gar keinen Säuregeschmack im fertigen Gebäck. Ausserdem ist das Risiko von (unerwünschten) Fremdorganismen kleiner, wenn immer mit den entsprechenden Proportionen gearbeitet wird. Denn es wird immer nur ein geringer Teil des alten ASG zum neuen ASG. Der Rest kommt eben in diese separate Dose, über die Antje und ich uns unterhalten haben. Aber einmal mehr: mach dir den Stress nur sofern Du willst. Das sind winzige Schräubchen, die da gedreht und justiert werden.

Beim Anfüttern des Sauerteiges machst Du alles richtig. Du stellst damit einen Sauerteig mit der Teigausbeute von 200 her. Falls Du mal einen Sauerteig mit TA 150 brauchst (je nach Rezept), nimmst du einfach 10g ASG 100 g Mehl und 50g Wasser.

Weiterhin viel Spass beim Backen und Experimentieren! Ich freue mich auf die Ergebnisse im wöchentlichen Thread.
Liebe Grüsse Alice

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Re: Hefe im Sauerteigbrot?

Beitragvon hansigü » Mi 29. Jul 2015, 04:14

Michael, na so lange backe ich nun auch schon, dass ich weiß das im ST Hefe ist :lol:

Alice, mit Glaubensrichtung hat das wohl eher weniger zu tun :lol:
manche nennen es Faulheit, manche sagen, man muss sich ja nicht mehr Arbeit machen als nötig :xm Und mancher mags halt perfektionistisch, das Ergebniss ist wahrscheinlich dasselbe :ich weiß nichts
Um das raus zu bekommen ob ein perfektionistisch geführter ST besserer Mo´s hat als ein "schludrig" geführter, da müsste man nun wieder einen Wissenschaftler finden, der das untersucht :D
Meine Brote sind jedenfalls in letzter Zeit, ach was in den letzten Jahren, immer sehr gut geworden, bis auf einige Ausnahmen, die aber weniger mit dem RST zu tun hatten. :cry

Alice, beim süßen Starter wiege ich aber ab, das bringt ja die Fütterungsanleitung mit sich ;)

So einen schönen Tag wünsche ich, ASG wurde, im übrigen vorhin eben gefüttert/aufgefrischt, bevor wir am Freitag in Urlaub fahren muss ich morgen noch mal backen!
Gruß Hansi


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