Re: Backen mit Hokaidokürbis
von babsie » So 23. Sep 2012, 07:12
na, dann mal aus meinem persönlichen KEB (Kocherfahrungsbuch)
1. Kürbis muß reif sein, sonst schmeckt er nicht oder nicht so ausdrucksvoll
erkennbar am Stiel, dieser sollte schon eingetrocknet oder zumindestens stark holzig und eingerissen sein, Kenner lassen jeden Kürbis nachreifen (2-30 Wochen), Butternut und andere Sorten halten über ein Jahr und werden immer besser. Also lagern und einmal die Woche kontrollieren, Faulstellen entstehen durch Beschädigungen der Haut, immer nur Früchte mit Stiel kaufen oder ernten, da hält er viel länger
2. Kürbishaut enthält Geschmacksstoffe
nicht nur beim Hokkaiodo kann man die Haut mit zubereiten, sie enthält neben Geschmack auch Färbestoffe, die häufig zum optischen Erlebnis beitragen. Die phantastische Farbe des Hokkaiodo würde ich niemals im Gericht vermissen wollen. Muskatkürbisse haben neben der dunkelgrünen Haut auch teilweise dieses herrliche rot (die dunkelgrünen schäle ich deshalb). Faustregel. nach dem Backen die Haut einstechen, kann sie mitverwendet werden.
3. Kürbis ist eine Wasserpflanze
will sagen, er besteht aus sehr viel Wasser, das stört nicht nur beim Brotbacken (TA verwässert). Wasser verwässert auch den Geschmack. Und meistens fällt schon bei einem Kürbis jede Menge Fleisch an, selbst für größere Familien mehr als aureichend. Konservierung ist deshalb vorteilhaft und geschmackssteigerend.
4. Konservierung Tiefkühltruhe
in Stücken einfrieren und beim auftauen auf ein Sieb geben, die geplatzten Zellen geben ihr Wasser ab und übrig bleibt nur das reine Fleisch. Leider geht mit dem Wasser ein Teil Aroma mit ab, und der Platz in der Truhe ist immer beschränkt.
5. Konservierung Schraubgläser
hat sich bei mir als die optimale Methode gezeigt, einmal im Platzbedarf der Vorratshatung, aber auch für den Geschmack. Am Backtag einfach den heißen Ofen nutzen, am besten vor dem Brotbacken. Schraubgläser mit wiederverschließbarem Deckel hat jeder (Marmelade ect.)
6. Vorbereitung und Backvorgang
wer selbst Samen nimmt Kürbis halbieren und Samen entnehmen, Frucht wieder zusammensetzen. Bei größeren Früchten die Schnittfläche nach unten aufs Blech legen, dieses vorher mit Alufolie oder Backfolie belegen. Wer keine Samen nimmt Kürbis mehrfach mit dem Messer anstechen (ganze Frucht) oder mit Samen halbiert auflegen. Bei 180-220 Grad so lange backen bis er weich ist (je nach Sorte 15-25 min). Wenn das Messer leicht durch die Haut geht ist er fertig (siehe 2, manche bleiben dauerhaft fest).
7. Schraubgläserkonservierung
Frucht entnehmen, umdrehen und mit dem Löffel das Fleisch ausschaben, bei Verwendung der Haut einfach in kleinere Stücke zerschneiden. Kerne natürlich entfernen. Mit einem Zerhacker diese Masse pürieren, so heiß wie möglich in Schraubgläser füllen (so voll wie möglich) und verschließen. Normalerweise reicht es, diese vorher desinfizieren Gläser umzudrehen und etwa 5 min so stehen zu lassen. Gläser können leicht in der Mikrowelle desinfiziert werden. Einen Löffel Wasser hinein, Deckel auflegen (nicht zudrehen) und 4-5 min drehen lassen, das kochende Wasser desinfiziert prächtig.
Vorsichtige (wie ich) stellen die Gläser aber in einer Reine und einem Fußbad in den erkaltenden Ofen und sterilisieren sie richtig (90 Grad etwa 30 min), es gibt auch schon gute Einkochapparate.
8. Verwendung Kübismus
das so enstandene Kürbismus hat eine wunderbare Farbe (Hokkaido, Muskat ect) und besteht ausschließlich aus Geschmack, weil das Wasser durch den Backvorgang praktisch verdampft wurde, ist streichbar wie Marmelade und für praktisch alles zu gebrauchen. Also z.B. als Nudelfüllung (solo 0der mit Ricotta), als Zusatz für Soßen und natürlich auch als Basis für Kürbissuppe. Gut kalt mit Frischkäse oder auch nur solo auf ein Kürbisbrot. Für diese Verwendung salze und pfeffere ich einige Gläser, die extra ausgezeichnet werden. Sehr gut passen Curry und Kokosmilch zum Kürbismus.
9. Kürbismus zum Brotbacken
und endlich nun, für das Kürbisbrot. Das Mus kann als Zuschlag zu jedem Brot verwendet werden, natürlich hauptsächlich zum Kürbisbrot. Änderung der TA ist nicht erforderlich, Teig wird sofort intensiv gefärbt und "geschmackig". Ein Marmeladenglas (450 g) kann auf 2 kg Mehl verwendet werden, oder auch weniger.
Dazu passen im Teig geröstete und gesalzene Kürbiskerne, oder/und Kürbisstreifen (Julienne). Diese sollten frisch am Ende des Knetvorgangs zugegeben werden, sonst werden sie in kleinste Stücke zerrissen. Wer Kürbisbrot auch im Sommer haben will kann diese Juliennestreifen auch vorbereiten und einkochen. Roh in ein verschließbares Glas geben und sterilisieren. Sie werden aber dadurch recht weich und sind besonders empfindlich beim Kneten, ich versuche immer rohen Kürbis zu verwenden.
10. Sorten
Geschmack ist überall verschieden, und Kürbisse gibt es für jeden Zweck. Im Handel sind auch nicht viele Sorten, aber bei einem Kürbisbauer kann man sich den Burschen mal nähern und auch beraten lassen.
Hokkaiodo ist die meistens gehandelte Sorte, sehr gut in Farbe und mit Haut, auch nur kleine Früchte im Handel, sehr gut verwendbar in allen Sorten
Muskatkürbis gibt es in unzähligen Formen, immer hervorragender Geschmack und Farbe (schlägt den Hokkaido um Längen), am meistens im Handel ist "Muscat de Provence" mit tiefdunkelgrüner Haut, bei Auswahlmöglichkeit immer zu den Muskatsorten greifen.
11. Anbau
Samen vom Kürbis des persönlichen Geschmacks nehmen, waschen und auf Zeitungspapier einige Tage trocknen lassen, im Briefumschlag beschriftet lagern. Ende April im Topf etwa 3-4 cm tief legen, nach den Eisheiligen aussetzen. Ein guter Kürbis braucht 3-4 Qadratmeter, und Wasser, Wasser, Wasser ... (an heißen Tagen schon mal 50 l und mehr). Wenn die ersten Ranken 6-8 Blätter haben entspitzen. Die so entstehenden Seitentriebe bilden sofort weibliche Blüten, die Langtriebe meistens männliche. Je Seitentrieb maximal 2 Früchte belassen, dann wieder entspitzen. Wer ritzen will kann seinen Spruch mit einem Nagel ect. in die Haut einbringen, wenn die Früche größer sind als eine Kokosnuß. Ernte so spät wie möglich, Stiel sollte trocken sein, Kenner warten bis zum ersten Frost. Nur die allerersten Kürbisse wegnehmen, wenn der Stiel eingetrocknet ist und sie verwertet werden sollen (oder bei Beschädigungen der Haut)
@ Andreas
nochmal ein Kürbisbrot probieren, diesmal ohne "Wasserkürbis" und auf die Reife der Frucht achten, versuchsweise mal mit einem Schuß Kokosmilch probieren